Der Ausflug zu Fuß sollte in der Grundschule die Grundlage bilden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Folgenden ein paar Anregungen und Ideen für den Unterricht:

Erkundung der Schulumgebung

Wenn die Kinder in die Vorklasse, Eingangsstufe oder 1 . Klasse kommen, kennen sie sich teilweise schon recht gut in der Schulumgebung aus. Für manche Schüler ist aber vieles neu und unbekannt. Da hat es sich bewährt, mit vielen Unterrichtsgängen zu Fuß die Umgebung der Schule zu erkunden und wichtige Anlaufpunkte zu finden, zum Beispiel das Schreibwarengeschäft, in dem die Schulsachen gekauft werden können, die Post, die Feuerwehr, die Polizei, das Schwimmbad, die Bücherei. Wenn die Schüler dann auch wissen, wo sich das nächste Lebensmittelgeschäft befindet, können sie schon bald ganz selbstständig in Kleingruppen für gemeinsame Mahlzeiten in der Schule einkaufen gehen.

Eigene Schulwege und die der Mitschüler

Damit sich die Kinder nicht nur gegenseitig kennenlernen, sondern auch wissen, wo sie wohnen, bietet es sich an, Unterrichtsgänge zu machen, die die Wohnungen von Schülern zum Ziel haben. So werden nach und nach alle Schulwege von allen Kindern erkundet. Ganz besonders stolz sind die Kinder, wenn sie vor ihrer Haustür fotografiert werden und sich dann später mit diesem Bild auf einem (handgezeichneten) Stadtteilplan wiederfin-den, wo sie Straße, Hausnummer und Namen lesen können. So können nachmittags Be-suche gemacht und Spielkameraden abgeholt werden. Beliebt sind auch Besuche bei dem Lehrer oder der Lehrerin, wenn die Wohnung zu Fuß erreichbar ist.

Lesespaziergänge

haben sich im ersten Schuljahr bewährt, wenn die Buchstaben bekannt sind und die Welt der Wörter spannend wird. Nur aus dem Schulhaus treten, gemeinsam die Straßen ent-langgehen und alles lesen, was schon möglich ist: von Straßenschildern über Ladenbe-zeichnungen und Schaufensterauslagen bis zu Reklametafeln. Die Kinder laufen ganz automatisch immer weiter, weil es so viel zu entdecken und zu lesen gibt.

Zählgänge

Spannend sind auch Unterrichtsgänge, die mit Zählaufgaben verknüpft werden. Bei-spielsweise lassen sich in der ersten Klasse, wenn im Herbst Blätter und Bäume ein The-ma sind, im Stadtpark alle Birken, Buchen, Linden und Eichen zählen. Auch wenn eigent-lich erst im Zahlenraum bis 20 gerechnet wird, ist es gar kein Problem immer weiter zu laufen und immer weiter zu zählen. Die Anzahl von Bäumen in "unbekannten Größenord-nungen" ist für die Kinder besonders beeindruckend. Im Zahlenraum bis 20 kann aber auch schon gezählt werden, wie viele Schritte die einzelnen Kindern für eine Strecke von z.B. 10 Metern oder dem Weg von Zuhause zur Schule etc. benötigen. Um an das kleine Einmaleins heranzuführen, kann es sehr hilfreich sein, wenn die Kinder dieses auf Trep-pen erlaufen, z.B. in dem sie jeweils zwei Stufen auf einmal nehmen und dabei zählen 2-4-6-usw. "Treppengänge" sind übrigens besonders gesund.

Hören und sehen

Es ist eine traurige Tatsache, dass es an Schulwegen oft so laut ist, dass den Kindern und Eltern das "Hören und Sehen vergeht". Dennoch bietet sich an, bei einem Unterrichtsgang stehen zu bleiben und gemeinsam zu hören, was zu hören ist. Hilfreich kann es hierfür auch sein, wenn sich die Schüler eine sichere Strecke einmal "blind" von einem Mitschüler führen lassen. Die Kinder können auch abmalen, was ihnen auf dem Weg besonderes aufgefallen ist.

Stadtteilerkundungen

Im 3. Schuljahr, wenn der Stadtteil erkundet wird und die Kreise immer weiter gezogen werden, bietet sich eine "Stadtteilrallye" zu Fuß an, die in Gruppen durchgeführt wird. Wenn möglich, werden mit Unterstützung von Erwachsenen vorgegebene Wege zurück-gelegt, dabei bestimmte Aufgaben erledigt und zum Schluss treffen sich alle an einem verabredeten Punkt, um die Erlebnisse auszutauschen. Die Aufgaben hierfür können sich auf alle Fächer beziehen, die nach dem Lernprinzip des "Entdeckenden Lernens" stark motivierend wirken.

Suchen und finden

Jedes Jahr werden die Schüler selbständiger und kennen sich immer besser in der Schulumgebung und im Stadtteil aus. Vom 4. Schuljahr an können auch Themen interessant sein, wie z.B. "Wir finden den besten Spielplatz des Stadtteiles". Auch hier bieten sich ne-ben dem Sammeln von Kriterien wieder Laufanlässe, die die Schüler jetzt aber schon nachmittags allein oder in Gruppen erledigen können. Hierbei spielt natürlich auch die kindgerechte Erreichbarkeit eine Rolle, ob stark befahrene oder unübersichtliche Straßen zu überqueren sind usw..

Orientierungsspaziergänge

Bekannt sind alljährlich stattfindende Orientierungs-Wanderungen, an denen alle Schüler der Schule teilnehmen können. Solche Aktivitäten können für z.B. die 5. und 6. Klassen auch für Stadterkundungen genutzt werden, bei denen die Orte mit Aufgabenstellungen weiter entfernt liegen und auch öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen sind.

Bewegungsmangel den Laufpass geben

Um die Kinder zu mehr Bewegung zu führen, ist ein Wettbewerb motivierend. Jeder Schüler fertigt sich im Unterricht dafür ein kleines Heft an, das gelocht und mit einer Kor-del durchzogen einfach umgehängt werden kann. In diesen "Laufpass" sollen dann in ei-nem bestimmten Zeitraum, z.B. ein paar Wochen, alle vom Schüler zu Fuß zurück geleg-ten Strecken eingetragen werden. Ein Zeuge könnte ihnen die Länge des gelaufenen Weges bestätigen. So laufen die Schüler nicht alleine, sondern immer mit einem Elternteil, einem Mitschüler o.ä. als Zeugen. Der Preis sollte natürlich thematisch passen.

Geschichte ergehen

Es ist kein Zufall, dass in immer mehr Städten historische Spaziergänge angeboten wer-den um an den Orten nicht nur mit dem Bus vorbeizufahren. Geschichtsunterricht wird in allen Schulstufen spannender, wenn man sich zu Fuß ansieht, wo bedeutende Menschen gewohnt haben oder wo sich in der Stadt etwas ereignet hat.

Gangarten als Sport

Beim Sportunterricht sollte die Alltagsbewegung von Anfang an eine große Bedeutung haben und versucht werden, die Trennung zwischen dem Sport in der Halle und dem Ge-hen, Laufen, Rennen im nahegelegenen Park abzubauen. Warum nicht einmal das ganz normale Gehen zum Thema machen, die verschiedenen Gangarten beobachten und dis-kutieren lassen? Viele Laufspiele, die keine weiteren Hilfsmittel benötigen, machen den Kindern solchen Spaß, dass sie sie auch in den Hofpausen weiter spielen.

Lernend Gehen

Lernpsychologen haben herausgefunden, dass Lernprozesse durch körperliche Bewe-gung (in Maßen) unterstützt werden. Die Schüler lernen also in der Regel z.B. ihre Voka-beln leichter, wenn sie mit Karteikarten ruhig im Park spazieren gehen, was jedoch einiger Übung bedarf. Wie schon bei den griechischen Philosophen können auch Diskussionen von Schülern in Zweier-Gruppen wunderbar im Gehen durchgeführt werden.

Zum Lernort Gehen

Warum sollte der Unterricht in den wärmeren Jahreszeiten nicht auch einmal in der Natur stattfinden? Der kleine Gang dafür in den nächsten Park oder auch an einem anderen Lernort, wie z.B. das Museum wird den öden Schulalltag durchbrechen.

Schulwegpaten

In manchen Grundschulen ist es üblich, dass Viertklässler eine "Patenschaft" für Schulan-fänger übernehmen, und dann z.B. während der großen Pausen bei Problemen als An-sprechpartner zur Verfügung stehen oder sogar zusammen spielen. Hier wäre es auch möglich, dass jeder Pate für seinen Erstklässler den besten und sichersten Schulweg her-ausfindet, aufzeichnet, mit ihm bespricht und vielleicht sogar einmal mit ihm abläuft.