Es ist gut, dass in Deutschland der Umweltschutz eine zentrale Rolle spielt. Die umfassende Marburger Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2002", die Anfang Juli vom Umweltbundesamt vorgelegt wurde, hat den hohen Stellenwert des Umweltschutzes noch einmal bekräftigt. Leider konzentrieren sich die Bundesbürger, die z.B. auf der internationalen Ebene eine deutsche Vorreiterrolle beim Klimaschutz wünschen, oft nicht so sehr um die Minimierung der Umweltprobleme im eigenen Lebensbereich. Es dürften ruhig mal ein paar praktische Schritte sein.

Kleine Zeichen setzen

Jeder Schritt zu Fuß setzt ein Zeichen für den praktizierten Umweltschutz. Die Fakten sind in groben Zügen allen bekannt: Der motorisierte Verkehr stellt in den Städten die Hauptquelle der Luftverschmutzung und des Lärms dar, er verbraucht Unmengen von Energie- und anderen Rohstoff-Recourcen. Darüber hinaus benötigt er einen viel zu großen Flächenanteil, sodass es in Ballungsräumen immer knapper wird mit den Erholungs- und Kinderspiel-Anlagen. Dennoch werden in deutschen Städten die Kinder immer häufiger mit dem Auto zum Kindergarten, zur Vorschule oder zur Grundschule gefahren.

Verkehrsanteil durchaus bemerkenswert...

Die Begleitung durch Erwachsene hat enorm zugenommen. Legten zu Beginn der 70er Jahre noch 91 % der Erstklässler den Schulweg allein oder zusammen mit anderen Kindern zurück, so waren es im Jahr 2000 nur noch 17 %. In Großbritannien ist z.B. der Anteil der Schulwege mit dem Auto in den letzten 20 Jahren von 10 auf 35 % angestiegen, während er Fußwegeanteil von 80 auf 60 % abfiel. In Deutschland ist der Wegezweck „Holen und Bringen von Personen“ erstmals in der Mitte 2003 veröffentlichten „kontiv 2002 - Mobilität in Deutschland“ als eine eigene Kategorie aufgeführt: In Haushalten mit Kleinkindern entstehen ca. 25 % der zurückgelegten Wege durch Begleitungen. Bundesweit ist mittlerweile jeder zehnte Wegezweck die Begleitung, wobei er bei den Fußwegen nur halb so groß ist (8 %) wie bei den Autofahrten (16 %).

... die Umweltauswirkungen auch

Die Umweltauswirkungen dieser vielen und zumeist sehr kurzen Autofahrten sind nicht zu vernachlässigen. Hier kann jeder einen sehr praktischen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz leisten: Bei einem Schulweg von 2 Kilometern Länge und 200 Schultagen werden ca. 160 Kilogramm Kohlendioxid CO2 pro Schulkind im Jahr weniger in die Luft geblasen. Im Jahr 2000 stammten in Deutschland rund 22 % der C02-Emissionen aus dem motortisierten Individualverkehr. Während es in allen anderen Bereichen gelungen ist, den Ausstoss zu reduzieren, hat er im Straßenverkehr in den letzten 10 Jahren um 11 % zugenommen und konterkariert damit die Weltklima-Ziele der Bundesregierung.

Fazit

Die Problematik der Zunahme gerade der "kurzen Wege" im Stadtverkehr ist IDV-Lesern bekannt. Möglicherweise wird erst durch die Veröffentlichung der Wegezwecke "Holen und Bringen von Personen" aus der kontiv 2002 in der öffentlichen Diskussion ein Zusammenhang auch mit den Schulwegen herstellbar sein.

 

Dieser Beitrag von Bernd Herzog-Schlagk wurde dem InformationsDienst Verkehr IDV 72 vom September 2002 entnommen, jetzt mobilogisch! Zeitschrift für Ökologie, Politik und Bewegung.

 

„Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ ist eine Gemeinschaftsaktion des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU; Umweltbundesamtes UBA, Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen BMVBW; Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales BMGS; Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ und des FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland.

 

Dezember 2003