Eine ansprechend gestaltete 24seitige Broschüre „Zu Fuß zur Schule“, Verfasserin: Heike Wohltmann, planungsgruppe Vor Ort, Herausgeber: FUSS e.V., ist in unserem Online-Shop unter Rubrik Broschüren > Fußverkehr-Kinder erhältlich. Sie gibt einen thematischen Überblick, beschreibt die derzeitige wissenschaftliche Diskussion, fasst die aktuelle Daten zusammen, bietet Informationen aus dem In- und Ausland und eine ausführliche Literatur-Übersicht.

 

Auf der Grundlage dieser Schrift und den Erfahrungen aus der Öffentlichkeitsarbeit des FUSS e.V. in den vergangenen Jahren bieten wir Ihnen als einen thematischen Einstieg: 10 Fragen und 10 Antworten von Eltern und für Eltern.

 

Vertiefend wird dann das Thema in folgende drei Themenkomplexe gegliedert:

 

10 Fragen und 10 Antworten

1. Ist die gesundheitliche Situation der Schulkinder ein Problem?

Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO vom Frühjahr 2002 sterben jährlich 2 Millionen Menschen an den Folgen von Bewegungsmangel. Laut WHO besitzen 40 % der Grundschulkinder bereits einen schwachen Kreislauf oder erniedrigte Blutdruckwerte. Die Zahl der übergewichtigen Schulanfänger hat sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland verdoppelt. Eine im Auftrag der Bundesregierung erstellte Untersuchung untermauerte die These des Bewegungsmangels: 60 Prozent der untersuchten Kinder in Kindergärten hatten Haltungsschwächen oder -schäden, 30 Prozent Übergewicht, 40 Prozent litten unter einem schwachen Herz-Kreislauf-System und an etwa 35 Prozent mussten muskuläre Schwächen und Koordinierungsprobleme diagnostiziert werden. Die motorischen Leistungen von vier- bis sechsjährigen Kindern haben in den letzten 15 Jahren um 10 % abgenommen.

2. Muss man die Kinder nicht vorrangig vor der schlechten Außen-Luft schützen?

Ja, aber grundsätzlicher, durch Reduzierung des Kfz-Verkehrs-Anteiles in den Städten; insbesondere durch Abbau der kurzen Auto-Fahrten wie sie die Schulwege in der Regel darstellen. Übrigens ist die Luft im Auto häufig noch schlechter als auf dem Gehweg. Messungen ergaben im Vergleich zum Bürgersteig um ca. 40% bis 60 % höhere Kohlen-monoxid- und Stickstoff-Konzentrationen im Innenraum der Autos.

3. Aber atmen sie nicht gerade als Fußgänger den Schmutz verstärkt ein?

Nein, denn die Luft im Auto ist häufig noch schlechter als auf dem Gehweg. Messungen ergaben im Vergleich zum Bürgersteig um ca. 40% bis 60 % höhere Kohlenmonoxid- und Stickstoff-Konzentrationen im Innenraum der Autos.

4. Ist das Zu Fuß Gehen für Kinder heutzutage nicht lebensgefährlich?

Stimmt, deshalb ist es wichtig, den Autoverkehr in den Städten zu reduzieren und zu verlangsamen.

5. Ist mein Kind nicht erst einmal im Auto sicherer als zu Fuß?

Nein, die Verkehrssicherheit ist im Auto keineswegs größer. Der Anteil der als Pkw-Insasse verunglückten Grundschulkinder steigt seit Jahren und lag im Jahr 2000 schon bei 32 %. Beinah 60 % aller getöteten Kinder bis 6 Jahre und 46 % aller Kinder zwischen 6 und 10 starben im Jahr 2000 im Auto.

6. Ist es nicht klüger, mein Kind erst dann zur Schule gehen zu lassen, wenn es ein wenig älter und erfahrener ist?

Das ist nachgewiesenermaßen ein falscher Ansatz: Dadurch verschieben sich lediglich die Unfälle. Schon heute liegt der Unfallgipfel von Schulwegunfällen bei den neun- bis zehn-jährigen. Ähnliches ist übrigens beim Radfahren zu beobachten: Der Unfallgipfel liegt bei zwölf- bis vierzehnjährigen, wenn sie ihre Radfahrprüfung abgelegt haben und die Routine eintritt (wie bei jungen Autofahrern auch).

7. Hat mein Kind auf dem Schulweg nicht mit Belästigungen insbesondere durch größere Kinder zu rechnen?

Zuerst werden Sie mit Ihrem Kind gemeinsam zur Schule gehen, dabei werden Sie erfahren, wie stark mit Belästigungen zu rechnen ist. Danach wird Ihr Kind möglicherweise gemeinsam mit anderen Kindern zur Schule gehen. Sie soziale Sicherheit nimmt zu, wenn möglichst viele Menschen auf den Gehwegen unterwegs sind. Im übrigen werden Sie Ihr Kind nicht vor unliebsamen Kontakten mit anderen bewahren können, der Umgang damit gehört zur Sozialisation.

8. Schulmappen sind heute schwer, in der Schule gibt es keine gesicherte Ablage. Soll mein Kind einen krummen Rücken bekommen?

In der Einschulungsklasse ist das in der Regel gar kein Problem. Danach sollte Ihr Kind durchaus einen bequemen Rucksack mit vertrebarem Gewicht tragen können. Halten Sie das Büchergewicht für unvertretbar, sollte dies nicht zum Eltern-Taxi führen, sondern zur Lösung der Ursache. Sprechen Sie das beim Elternabend an.

9. Hat denn die Begleit-Mobilität überhaupt einen bemerkenswerten Anteil am Verkehrsgeschehen?

Die Begleitung durch Erwachsene hat enorm zugenommen. Legten zu Beginn der 70er Jahre noch 91 % der Erstklässler den Schulweg allein oder zusammen mit anderen Kindern zurück, so waren es im Jahr 2000 nur noch 17 %. In Großbritannien ist der Anteil der Schulwege mit dem Auto in den letzten 20 Jahren von 10 auf 35 % angestiegen, während er Fußwegeanteil von 80 auf 60 % abfiel. In Deutschland ist der Wegezweck „Holen und Bringen von Personen“ erstmals in der Mitte 2003 veröffentlichten „kontiv 2002 - Mobilität in Deutschland“ als eine eigene Kategorie aufgeführt: In Haushalten mit Kleinkindern entstehen ca. 25 % der zurückgelegten Wege durch Begleitungen. Bundesweit ist mittlerweile jeder zehnte Wegezweck die Begleitung, wobei er bei den Fußwegen nur halb so groß ist (8 %) wie bei den Autofahrten (16 %).

10. Hätte denn der Verzicht auf solche Autofahrten überhaupt einen bemerkenswerten positiven Umwelteffekt?

Ja selbstverständlich. Im Jahr 2000 stammten rund 22 % der CO2-Emissionen aus dem motorisierten Individualverkehr und dieser steigt seit Jahren an. Ganz konkret: Bei einem Schulweg von 2 Kilometern Länge und 200 Schultagen im Jahr werden ca. 160 Kilogramm CO2 pro Schulkind weniger in die Luft geblasen.

 

„Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ ist eine Gemeinschaftsaktion des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU; Umweltbundesamtes UBA, Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen BMVBW; Bundesministeriums für Gesundheit und Soziales BMGS; Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ und des FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland.

 

Dezember 2003

Bernd Herzog-Schlagk