Einen aktuellen Beitrag zum Thema „Schulwege - Freiraum oder Gefahr für das Kind?“ finden Sie hier anschließend, den sie sich auch downloaden können.

Wir verweisen auf zahlreiche Informationen z.B. über die Einrichtung von Querungshilfen (Zebrastreifen, Mittelinseln, Ampeln usw.), die Sie in unserem Online-Shop unter Rubrik Broschüren > Fußverkehr-Queren bestellen können.

 

Schulweg – Freiraum oder Gefahr für das Kind?

Dipl.Ing. Angelika Schlansky, Stadtplanerin Bremen, FUSS e.V.-Vorstandsmitglied

Einleitung

In Bremen gibt es ca. 100 Grundschulen, und jede dieser Grundschulen hat ihre eigenen Probleme bezüglich des Schulweges. Entweder ist der Schulweg zu lang oder zu gefährlich oder beides. Oder er führt durch eine ruhige Grünanlage, die den Kindern Angst macht. Es gibt wohl keine Grundschule, bei der der Schulweg nicht irgendwie problematisch ist. Deshalb lohnt es, sich mit dem Schulweg zu beschäftigen.

 

Wenn man Eltern fragt, wovor sie Angst haben in Bezug auf ihre Kinder, so antworten die meisten: vor Verkehrsunfällen (55 %). Die Statistik gibt den Befürchtungen recht. Ab dem Alter von 2 Jahren sind Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache von Kindern. Die Angst vor Kriminalität (40%) und Drogen (26%) ist nachgeodnet. (1)

 

Fragt man die Kinder, wovor sie am meisten Angst haben, so nennen sie ebenfalls den Straßenverkehr.

 

Viele Eltern ziehen aus ihrer eigenen Angst die Konsequenz, die Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren.

 

Und wenn man die Kinder fragt, was sie, wenn sie Bürgermeister wären, als erstes verändern würden, dann antworten die meisten: Die Verkehrssituation (33 %). An zweiter Stelle kommt der Umweltschutz (13 %) und an dritter Stelle Veränderung der Spielplätze (10 %). (2)

 

Was tun? Kinder mit dem Auto chauffieren und das Verkehrsgeschehen als unveränderliche Gegebenheit hinnehmen, oder an die Ursachen herangehen, das Verkehrsgeschehen thematisieren, um Lösungen zur Zufriedenheit aller herbeizuführen ?

Kinder bewegen sich gerne aus eigener Kraft durch ihr Wohngebiet. Für sie ist das Herumstreifen zu Fuß eine Art Welterkundung auf eigene Faust, direkt und unmittelbar. Wenn man sie fragt, was sie auf ihren Schulweg erleben, so geben sie ganz unterschiedliche Antworten, auf die ein Erwachsener nicht kommen würde.

Kinder in Bremen-Obervieland sind gefragt worden, was ihnen am Schulweg gefällt.

Hier einige Antworten:

 

„Teich mit Enten“

„Die Bäume“

„Frische Luft und der Nebel, der mir ein gutes Gefühl gibt“

„Mit anderen Kindern sprechen“

„Dass man sehr viele Tiere beobachten kann, wie Hasen, Frösche und Vögel“ (3)

 

Wir haben es hier also mit dem Spannungsbogen: „Gefährlichkeit des Kfz-Verkehr“ gegen den Wunsch der Kinder nach „Bewegung und Erlebnis“ zu tun. Es geht um die wichtige Frage, wie man den Kindern diesen Freiraum (zurück)gibt, den sie haben möchten, und den sie für ihre gesunde Entwicklung brauchen, und wie man sie gleichzeitig vor den Gefahren auf dem Schulweg schützt.

Wie gefährlich ist der Schulweg wirklich?

Der Schulweg birgt zweifellos viele Gefahren. Die Hauptgefahr ist der zu schnelle Autoverkehr. Jährlich verunglücken in Deutschland knapp 500.000 Kinder (unter 15 Jahren) im Straßenverkehr, davon ca. 300 Kinder tödlich. In Bezug auf die tödlichen Kinderunfälle nimmt Deutschland eine Spitzenposition ein (357/100.000 Kinder unter 15 Jahren in Deutschland. Zum Vergleich Italien: 129/100.000 Kinder). Differenziert man die tödlichen Unfälle nach Straßenkategorie, so passieren 85 % an Hauptverkehrsstraßen, und 15 % auf Nebenstraßen. (4) Diffrenziert man sie nach Orten im Straßenraum, so ergibt sich Folgendes:

 

Unfallorte der Kinder (Ausschnitt)

 

  %
auf freier Strecke 47
Ampel bei Grün 12
Ampel bei Rot 2
Zebrastreifen 6
Bürgersteig 12

 

Quelle: Uta Koppen-Brauns: Verkehrsunfälle von Grundschülern auf dem Schulweg – eine Studie aus dem Rheinland. Herausgegeben vom Rrheinischen Gemeinde Unfall Versicherungsverband, 2003

 

Wenn man etwa denkt, dass der Bürgersteig sicher sei, so täuscht man sich. Hier passieren doppelt so viele Unfälle wie auf dem Zebrastreifen. Sie sind hauptsächlich auf Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern zurückzuführen.

 

Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem die Zebrastreifen nach und nach abgeschafft wurden, mit dem Argument, dass sich „die Menschen darauf in scheinbarer Sicherheit wähnen“. In Italien gibt es die Zebrastreifen noch, und es werden weit weniger Kinder überfahren als in Deutschland.

 

Nicht nur die Eltern auch die Kinder haben Angst. Die Angst vor Verkehrsgefährdung ist bei den Kindern größer als andere Ängste. Dies hat die Schülerbefragung am Schulzentrum Obervieland ergeben. (5)

 

Ängste auf dem Schulweg (Prozentzahlen):

 

  männlich deutsch
männlich ausländisch weiblich deutsch
weiblich ausländisch
5. Jahrgang:        
Angst vor Verkehrgefährdung 29 24 46 14
andere Ängste (Bedrohung, Überfall) 10 18 32 38
zusammen: 39 42 78 52
6. Jahrgang:        
Angst vor Verkehrsgefährdung 31 31 32 7
andere Ängste 23 31 29 13
zusammen: 54 62 61 20
7. Jahrgang:        
Angst vor Verkehrsgefährdung 23 31 35 40
andere Ängste 26 6 20 3
zusammen: 49 37 55 43
9. Jahrgang:        
Angst vor Verkehrsgefährdung 33 32 27 18
andere Ängste 19 11 20 23
zusammen: 52 43 47 41

Die Prozentzahlen beziehen sich auf die Menge der ausgefüllten Fragebögen der jeweiligen Gruppe.Aus: Projekt „Sichere Schulwege„, Stadtteilzirkel Wegesicherheit Kattenturm, 2003

In allen Gruppen die Angst vor Verkehrsgefährdung größer ist als die Angst vor Bedrohungen, Überfall u.ä. Bei den ausländischen Mädchen ändert sich die diesbezügliche „Sorglosigkeit“ bis zum 7. Jahrgang sehr stark.

 

Wie sieht es mit diesen „anderen Ängsten“ aus? Wie kommen sie zustande? Was kann man dagegen tun?

 

Die „anderen Ängste“ beziehen sich häufig auf Konflikte mit Schulkameraden. Mädchen haben häufig Angst vor Dunkelheit, dichtem Gebüsch. Wenn man so will, sind es normale Ängste, die die Kinder im Laufe der Zeit durch die tägliche Erfahrung verlieren können oder denen sie sich stellen müssen.

 

An der Tabelle sehen Sie, dass bei den Mädchen die Angst vor Überfällen, Bedrohung mit zunehmendem Alter abnimmt. Bei den Jungens ist es unterschiedlich. Ich weiß nicht, ob deutsche Jungens mehr Angst haben als die ausländischen, vielleicht wird Angst auch nicht gerne zugegeben. Auf jeden Fall handelt es sich dabei nicht um Gefahren von außen, wenn man von Kindesentführungen, die überall stattfinden können, einmal absieht.

 

Diese anderen Ängste sollten kein Grund sein, das Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren. Hier ist die Begleitung durch Erwachsene oder Freunde genauso „wirksam“. Viele Ängste erledigen sich auch dadurch, dass man täglich zu Fuß zur Schule geht. Auf dem Schulweg lernen die Kinder, entweder Vertrauen zur Umgebung zu fassen – wie man das bei den Mädchen sieht - oder ihre Konflikte untereinander auch zu regeln.

Die Verkehrssituation

Was als wirkliche Gefahr, die ernst zu nehmen ist, übrig bleibt, ist die Gefährdung durch den KFZ-Verkehr. Aber auch das sollte kein Grund sein, die Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren. Dadurch erhöht sich insgesamt die Gefährdung der Schulkinder und die Luft im Bereich der Grundschulen wird auch belastet.

 

Die Gefährdung geht weniger von den Autos an sich aus, als vielmehr von der Geschwindigkeit, mit der sie gefahren werden. Die zu hohe Geschwindigkeit ist Unfallursache Nr. 1.

Unfallursachen (6)

1. Nicht angepaßte Geschwindigkeit

2. Nichtbeachtung der Vorfahrt

3. Falsches Überholen

 

Betrachtet man sich die Geschwindigkeiten und ihre Folgen näher, so ergibt sich folgendes:

Bei einem Zusammenprall zwischen einem erwachsen Fußgänger und einem Auto mit Tempo 60 km/h hat der Fußgänger keine Überlebenschance. Bei Tempo 30 km/h kommen immerhin noch 3 von 10 Fußgängern ums Leben.

 

Warum wird bei uns in Deutschland so schnell gefahren? Das erklärt sich aus der Rechtslage. Tempo 50 ist die Regelgeschwindigkeit in der Stadt. Das Gefühl für die Gefährlichkeit von Tempo 50 ist nicht vorhanden. Der Mangel an Zebrastreifen verstärkt bei Autofahrern das Gefühl, dass ihnen niemand in die Quere kommen kann. Meistens wird noch schneller gefahren.

Was also tun?

Autofahrer sind im Konflikt, und den sollte man ihnen nehmen. Städte, die Tempo 30 flächendeckend eingeführt haben - wie Oslo zum Beispiel – haben keine tödlichen Unfälle mehr zu beklagen und die Anzahl der Schwerverletzten ist entsprechend niedriger.

Jede Initiative, die darauf hinausläuft, zumindest im Bereich der Schulen die Geschwindigkeiten und die Menge der Autos zu drosseln, trägt zum Schutz der Kinder bei.

Ein Kinder-Kampagne in England hat es auf den Punkt gebracht: Speed kills – Geschwindigkeit tötet.

Der Transport des Kindes zur Schule im Auto ist auch kein absoluter Schutz vor Tod oder Verletzung.

Neben diesen offensichtlichen Gefahren des Kfz-Verkehrs gibt es noch andere gesundheitliche Gefahren, die schleichend sind, und die haben mit der Bewegungsarmut der Kinder zu tun.

Kinder und Gesundheit

Kinderärzte schlagen Alarm: Die Bewegungslosigkeit der Kinder und das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom hängen miteinander zusammen. Der Tablettenkonsum bei Kindern ist erschreckend hoch.

Im Folgenden einige Zitate, die der Fachverband Fußverkehr FUSS e.V. zusammengetragen hat:

Gesundheitliche Folgen des Bewegungsmangels

„Das Kieler Institut für Humanernährung hat schon vor zwei Jahren Alarm geschlagen, mehr als 23 Prozent der Fünf- bis Siebenjährigen hätten deutliches Übergewicht."

Barbara Marnach vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung ZI spricht von der „Generation Rücksitz„. Quelle: Tagesspiegel, 7.4.2002.

„Das Sitzen erhöht zudem das Osteoporose-Risiko. Die Knochenmasse, die sich fast ausschließlich in der Jugend aufbaut, reagiert auf Bewegung. Bleibt die aus, hat das im Verbund mit falscher Ernährung auch noch andere Folgen: Die ZI Studie (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung) hat bei etwa neun Prozent der Jugendlichen Bewegungsmangel als Ursache für eine Fehlentwicklung des Skelettsystems und der Wirbelsäule erkannt." Quelle: Tagesspiegel, 7.4.2002.

„Laut Experten zeigen aber auch mindestens 40 Prozent aller Schulkinder Haltungsschwächen, 20 bis 30 Prozent leiden an Übergewicht„ Quelle: Weserkurier 7.4.2002.

„Früher sind Kinder auf Bäume geklettert und haben auf holprigen Bolzplätzen Fußball gespielt, heute neigen bereits die Kinder zur Spezialisierung: Tennis, Ballett, oder – für die motorische Entwicklung am verheerendsten – Computerspiel. Das natürlich Sprunghafte von Kindern hat keinen Raum mehr.„ Quelle: Dr. Thomas Wessinghage aus fairkehr 6/1998.

Fazit: Die Kinder müssen sich bewegen, und der Schulweg ist eine gute Gelegenheit dazu. Außerdem lernen die Kinder nur zu Fuß, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Man muß verkehrserziehen, damit sie überleben bzw. vor Verletzungen geschützt werden.

Zur Verkehrserziehung

Am besten funktioniert Verkehrserziehung im Wohnumfeld, im Schulbereich, und zwar praktisch, nicht theoretisch. (7) Die größte Sicherheit bieten Eltern dem Kind, wenn sie es zur Schule zu Fuß begleiten. Nur so lernen Kinder, mit den Gefahren des Straßenverkehrs umzugehen. Wenn Eltern nicht mit dem Auto zur Schule fahren, mindern sie außerdem die Gefährdung der anderen Kinder.

 

Da die Eltern häufig keine Lust oder keine Zeit haben, ihre Kinder täglich zu Fuß zur Schule zu begleiten, gibt es andere Möglichkeiten, wie den Walking-bus oder Mobikids aus Bayern.

 

Was ist ein Walking-Bus? Mit dem Bus werden 8 bis 14 Kinder zu Fuß zur Schule von zwei Erwachsenen begleitet. Die vorderen beiden Kinder sind die „Busfahrer„, die letzten beiden die „Schaffner„. Die erwachsenen Begleitpersonen haben nur Kontrollfunktion. Die Kinder werden an sogenannten Bus-Stops abgeholt. Der walking-bus läuft täglich, bei jedem Wetter.

 

Die Eltern müssen sich selbst organisieren, absprechen und abwechseln.

 

Eine andere Formation nennt sich MOBIKIDS oder Ameisen (8). Bei diesem MOBINET-Pilotprojekt kommen vier bis fünf Gruppen „Ameisen“ aus allen Himmelsrichtungen auf die Schule zu, auf festgelegten Routen. An Sammelpunkten stoßen neue Schüler dazu. So wachsen die Häufchen an und werden sicher von einem Elternteil auf das Schulgelände gebracht. Mit dem Projekt Mobikids wurden erstmals in Deutschland die Effekte einer maßgeschneiderten Mobilitätsberatung an einer Grundschule untersucht: Der Anteil gefahrener Schulkinder hat sich innerhalb eines Jahres um 15 Prozent verringert. Beide Modelle bedeuten für die Kinder „Frühsport“. In Gruppen zur Schule zu gehen, kommt vor allem bei den Erst- und Zweitklässlern gut an. Den Spaziergang zur Schule nutzen sie zum Reden. Die Dritt- und Viertklässler kommen lieber mit dem Fahrrad zur Schule.

 

Diese Aktionen kosten kaum Geld. Der Erfolg hängt vom persönlichem Engagement der Eltern und der Lehrer ab.

Der Schulweg als Freiraum

Kinder zu Fuß erleben mehr als Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Das zeigen Kinderzeichnungen aus Hamburg mit aller Deutlichkeit: (9)

 

Ein Kind, das täglich mit dem Auto zur Schule gefahren wird, bringt nichts anderes auf das Papier als einen gebogenen Strich zwischen Wohnung und Schule.

 

Das Kind, das mit dem Bus fährt, zeichnet zumindest außerdem noch den Bus und die Haltestellen ein.

 

Ein Kind, das täglich zu Fuß zur Schule geht, bringt sehr viel auf das Papier: Die Sparkasse, Aldi, Container, Ampeln. Das Schulgebäude ist deutlich gemalt.

 

Um Kinder zu ermuntern, zu Fuß zur Schule zu gehen, und auch die Eltern zu ermutigen, ihr Kind gehen zu lassen hat der FUSS e.V. mit Unterstützung der Ministerien Flyer erstellt und bundesweit ca. 500.000 Stück an Grundschulen verteilt. (Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten) (10) Hier wird in ansprechender Form auf die Vorteile des Schulweges zu Fuß hingewiesen. Was sind denn nun die Vorteile ?

Vorteile des Zu Fuß Gehens

  • Die Bewegung aus eigener Kraft stärkt das Selbstwertgefühl
  • Kinder, die sich bewegen, können besser lernen
  • Durch den täglichen Frühsport sind Kinder fitter im Unterricht
  • Die Kinder können sich mit ihrer Umgebung vertraut machen, verlieren Ängste, tragen ihre Konflikte untereinander aus
  • Kinder haben die Möglichkeit, beim Gehen mit Freunden zu reden. Auch das Gespräch mit der zu Fuß das Kind begleitenden Mutter ist intensiver, als wenn die Mutter sich als Autofahrerin ausschließlich auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren muß
  • Kinder brauchen den Freiraum zwischen Schule und Elternhaus, sie erobern sich damit ihre Umgebung und entwickeln ein Identitätsgefühl, Heimatgefühl
  • Kinder lernen, auf das Verkehrsgeschehen angemessen zu reagieren –
  • das ist der beste Schutz, den man den Kindern bieten kann

Die Eltern als Kinderlobby

Was ist zu tun? Man muß sich im klaren darüber sein, dass die Kinder so gut wie keine Lobby haben. Kinder können noch nicht wählen. Wäre es so, würde der Bürgermeister als erstes das Verkehrsgeschehen verändern, siehe oben!

Also müssen sich die Eltern für die Belange der Kinder einsetzen.

Was können sie tun?

Es ist den Eltern zu raten, sich zusammenzuschließen, um abwechselnd die Kinder in Gruppen zur Schule zu bringen. Dadurch haben Eltern auch die Chance, den Blickwinkel der Kinder einzunehmen, eine andere Wahrnehmung. Das ermöglicht es ihnen besser, sich dafür einzusetzen, dass gefährliche Stellen entschärft werden, der Schulweg angenehmer wird.

Was genau kann gefordert werden?

  • Tempo 30 im Bereich der Schule, des Kindergartens
  • Zebrastreifen überall dort, wo die Kinder über die Straße gehen wollen.
  • Die neue Richtlinie für Fußgängerüberwege – R-FGÜ 2001 (11) gibt den Ländern und Gemeinden die Möglichkeit, überall dort Zebrastreifen einzurichten, wo es sinnvoll ist.
  • Fahrbahnverschmälerung und Gehwegeverbreiterung.
  • Bei Tempo 30 braucht die Fahrbahn nicht so breit zu sein
  • Mittelinseln an sehr breiten Straßen
  • Sicherung der Bushaltestellen durch Querungshilfen (Zebrastreifen, Mittelinsel, Fußgängerampel, vorgezogener Bürgersteigbereich)
  • Freie und sichere Bürgersteige - der Radverkehr gehört auf die Fahrbahn - bei Tempo 30 kein Problem
  • Parkraumüberwachung (gegen Gehwegparken) und Aufhebung von Parkplätzen direkt vor der Schule (bessere Sicht)
  • angenehme Umgebung und Spielmöglichkeiten am Rande

Mitarbeit der Schulen

Die Einbindung der Schulen ist wichtig hinsichtlich der Kontinuität über die vier Grundschuljahre hinaus. Sie sollten nicht nur Stundenpläne, sondern auch Verkehrspläne aufstellen, d.h. Vorhaben entwickeln bzw. auflisten, die für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder durchgeführt werden müssen. Parallel und am Beispiel des Schulweges sollten sich Schulen für eine andere Verkehrserziehung stark machen. Dabei können sie sich auf einen Beschluß der Kultusministerkonferenz von 1994 berufen. Verkehrserziehung ist neu definiert worden:

 

Sie soll neben der Sicherheitserziehung auch Fragen der Umwelt, der Gesundheit und des Sozialverhaltens behandeln. Ziel sollte sein, die Kinder zu rücksichtsvollen und umweltbewußten Verkehrsteilnehmern zu erziehen. Das Verkehrsgeschehen selbst sollte im Unterricht thematisiert werden, beispielsweise die Kosten und Flächenverbrauch des Autoverkehrs im Vergleich zu den Kosten des Bahnverkehrs oder des Rad- und Fußverkehrs. Kinder müssen Gelegenheit bekommen, das Verkehrsgeschehen in seiner gegenwärtigen Form zu hinterfragen.

Und hier noch ein „best - practice„ - Beispiel

Eine Initiative in Bremen-Habenhausen will erreichen, dass die Straße direkt vor der Schule für die Mamma- und Papataxis tabu ist.(12) Hier soll zumindest der Weg, bzw. die Straße vor der Schule den Kindern Gelegenheit geben, zu spielen, zu hüpfen, zu balancieren oder einfach nur das letzte Stück zur Schule zu gehen. Schon im Vorfeld ist erreicht worden, dass die Habenhauser Dorfstraße Tempo 30 bekommen soll. Dazu gab es einen Ortstermin. An dem Projekt sind neben der Grundschule zwei Kirchengemeinden und ein Sportverein beteiligt. Das wirkt!

 

Eine „Elternhaltestelle„ gibt es bereits. Sie wurde vom frischgekührten Innensenator eingeweiht. Eltern können nach wie vor ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, aber sie sollten sie nicht mehr bis zum Schultor fahren! Diese Initiative wird als nächstes eine Schüler- und Elternbefragung (je nach Alter der Kinder) durchführen, um über dieses Medium miteinander zu kommunizieren und eine Datenbasis zu schaffen. Möglicherweise ist nach einem Jahr u.a. nachzuweisen, dass sich die Verkehrssituation vor der Grundschule entspannt hat, und viel mehr Kinder den ganzen Weg von zu Hause aus zu Fuß gehen.

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Dipl. Ing. Angelika Schlansky
Stadtplanerin
Liebensteiner Straße 36
28205 Bremen
Tel/Fax: 0421/44 64 57
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